ESSBARE BLÜTEN

Mehr als nur Dekoration

Sind essbare Blüten nur eine extravagante Idee aus der Sterneküche? Nein, denn weder ist dies neu noch übertrieben. Allerdings haben ihre Köche eine jahrhundertlange Selbstverständlichkeit wieder belebt. Blüten der Veilchen, Gänseblümchen, Königskerzen, Kapuzinerkresse, Taglilien, Ringelblumen oder Goldmelisse erleben eine Renaissance.

Essbare Blüten und Pflanzen aus dem Garten

Dekorativer Toast mit Blüten

Blickt man weit in die Geschichte zurück, fällt die Vorliebe der Römer für Rosenblätter auf. Ob als Statussymbol auf der Tafel verteilt, denn je nach Jahreszeit waren Rosen schwer beschaffbar, oder als Gewürz im Honig und Wein, in Rom konnten es nie genug sein. Die arabische Küche verwendete schon immer Rosen in der Küche und die alten Germanen würzten ihren Honigwein mit Mädelsüß. Mit den Blüten der Chrysanthemen wurde im asiatischen Raum gekocht und in Südamerika ist von den Indianern die Verwendung der Yucca Blüten oder Agave bekannt. Es gibt geschichtlich unzählige Beispiel dafür, dass essbare Blüten in der Küche mal eine Selbstverständlichkeit waren.

Essbare Pflanzen und Kräuter aus dem Garten

Vegetarischer Burger mit Blüten

Natürlich denken wir bei dem Wort Blüten sofort an das Aussehen bestimmter Blumen und vor allem ihren Duft. Ihr Geschmack dürfte jedoch bei den Wenigsten als Assoziation auftauchen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass neben dem Geruch auch der Geschmack von Blüten oder deren Blättern ebenso schnell abrufbar war.

Bis zur industriellen Herstellung von Lebensmitteln gehörte das Wissen um essbare Pflanzen sozusagen zur Allgemeinbildung in der Küche. Sie wurden nicht nur als Bestandteil von Speisen geschätzt, sondern meist gleichzeitig als Heilmittel eingesetzt. Die Kenntnisse gingen weit über Landwirtschaft und Gartenbau hinaus. Gegessen wurde, was die Natur hergab und wild im Wald oder auf den Wiesen wuchs. Klösterliche Kochbücher des Mittelalters sind voller Pflanzen als Zutaten, die wir heute im Garten, wie z.B. den Beifuß, als Unkraut bekämpfen.

Während die Blüten der Kapuzinerkresse, Veilchen oder Ringelblume in gut sortierten Märkten der Großstädte schon in den Regalen liegen, sind Königskerze, Goldmelisse oder Staudenphlox als Lieferanten für essbare Blüten immer noch kaum bekannt. Aber das Interesse unter den Köchen steigt, und zwar nicht nur zur Verwendung als Dekoration. Sie dienen besonders der Aromatisierung von Salaten und Desserts.

Blüten von Veilchen

Fast jeder kennt sie als kleine Pflanzen mit herrlich bunten Blüten und betörend riechend. Letzterem verdanken die so genannten Duftveilchen sogar ihren Namen. Sie riechen intensiv süßlich. Für die alten Griechen galten ihre dunklen Blüten deswegen als Blume der Liebe.

Veilchen - essbare Pflanzen und Kräuter aus dem Garten

Duftveilchen

Sie passen vor allem in ein Dessert. Ebenso lassen sich Sirups oder Smoothies damit aromatisieren und mit blauen Sorten Speisen färben.

Je nach Art können ihre Blüten im Garten von März bis August gepflückt werden.
Grundsätzlich sind die Blüten aller Veilchenarten essbar. Nur vor dem Usambaraveilchen muss gewarnt werden. Es ist giftig. Obwohl es so heißt, gehört es nicht zu den Veilchen, sondern zur Familie der Gesnerien.

Gänseblümchen für die Küche

Während Kinder Blütenkränze flechten, läuft Liebhabern von englischem Rasen bei ihrem Anblick im Frühjahr das Gesicht rot an. Von Februar bis November versuchen sie, die Gänseblümchen aus ihrem Rasen zu vertreiben.

Essbare Blüten und Kräuter für Salat - Gänseblümchen

Gänseblümchen

Die kleinen weißen Blüten mit ihrem gelben Staubbeutel in der Mitte sind für vieles verwendbar.

Sie haben einen leicht scharfen Geschmack und passen gut in Salatsaucen auf der Basis von Joghurt oder in Kräuterquark. Sie lassen sich auch gut einzuckern. Ihre Blätter schmecken leicht nussig. Die Blütenknospen können als Ersatz von Kapern eingelegt werden.
Wie viele essbare Blüten sind sie gesund. Sie reinigen das Blut, entwässern und lindern Magenbeschwerden.

Essbare Blüten der Königskerzen

Sie sind nicht nur auf dem Teller ein Blickfang. Die bis zu 2 Meter hohen Stauden zieren mit ihren auffälligen Blütenständen viele Kräutergärten. Königskerzen verdanken ihre Bekanntheit in erster Linie ihrer Verwendung als Heilpflanze bei Erkältungen, da sie als Tee schleimlösend und gegen Husten wirken.

Essbare Kräuter und Pflanzen für Salat aus dem Garten

Königskerzen

Von Hippokrates bis Hildegard von Bingen wurde ihre heilende Kraft gelobt. Die Blüten sind angenehm aromatisch und leicht süßlich. Man sie über den gesamten Sommer bis Anfang September sammeln.

Kapuzinerkresse

Sie ist sicherlich eine der bekanntesten essbaren Blüten. Ihren Namen verdankt sie den zipfelartigen Blüten, die an die Kopfbedeckung der Kapuzinermönche erinnern.

Bei uns gibt es sie als einjährige Pflanze, die Sommerbeginn bis Oktober blüht. Nur in ihrer südamerikanischen Heimat in Chile, Peru und Brasilien wird sie mehrjährig kultiviert. Die Blätter schmecken würzig und scharf. Da sie Senföle enthalten (natürlicher Schutz gegen Schädlinge), erinnert ihr Geschmack ein wenig an Senf. Je dunkler sie sind, desto höher ist die Schärfe.

Kapuzinerkresse - DIE essbaren Blüten und Pflanzen für Salat

Kapuzinerkresse

Ihre großen Blüten leuchten einfarbig bzw. gemustert in Gelb, Orange oder Dunkelrot. Sie schmecken ebenfalls leicht senfartig und können gefüllt werden. Knospen und junge Samen lassen sich sehr gut als Kapernersatz einlegen und verwenden.

Sind die Blüten der Taglilien essbar?

Und ob! Du musst sie nur beim Blühen erwischen, denn wie der Name schon sagt, blüht sie nur an einem Tag. Ursprünglich stammt sie aus dem Osten Asiens. Bei uns ist sie vor allem aus Bauerngärten bekannt und bietet zwischen Mai und September eine außerordentliche Sortenvielfalt. Glücklicherweise blühen sie pro Staude nicht alle am gleichen Tag, sondern nacheinander über mehrere Wochen verteilt.

Taglilien - essbare Blüten und Pflanzen aus dem Garten zur Dekoration

Taglilien

Orangefarbene sind pfeffrig, weiße und dunkelrosa gefärbte eher süßlich. Man kann sie trocknen, kochen oder roh verzehren. Empfehlenswert für Geflügel, Reisgerichte oder Suppen.

Arme-Leute-Safran: Ringelblumen

Ihre Blütenblätter färben Reis und Brühen gelb. Sie wachsen unübersehbar leuchtend fast auf jeder Wiese von Juni bis Oktober. Salbe aus der Ringelblume galt schon im Mittelalter als Favorit unter den Heilmitteln klösterlicher Apotheken.

Ringelblumen - essbare Blüten und Pflanzen aus dem Garten für die Küche

Ringelblume

Die Blüten passen zu Fisch, aber auch zu Milchspeisen. Zum Färben kann man ihre Blütenblätter getrocknet aufbewahren.

Goldmelisse

Aus Nordamerika stammend wird die Goldmelisse auch als Indianernessel bezeichnet. Sie wurde erst im 18. Jahrhundert durch den Seeverkehr nach Europa eingeschleppt. Ihre dekorativen roten Blüten können von Juli bis September geerntet werden.

Essbare Blüten und Pflanzen für die Küche - Goldmelisse

Goldmelisse

Besonders gut eignet sie sich als Teekraut, veredelt jedoch auch Sirups und Desserts. Ihr Geschmack ist frisch, mit Zitrusnoten, leicht minzartig und bereichert Sommersalate.

Essbare Blüten aufbewahren und konservieren

Sie sind grazil und empfindlich. Aus diesem Grund ist für ihre Konservierung eine gewisse Vorsicht nötig. Hier die besten Methoden:

  • trocknen

  • kandieren

  • in Essig oder Öl einlegen

  • mit Wasser als Eiswürfel einfrieren.

     

     

Kandierte Duftveilchen

  • Blüten in leicht geschlagenes Eiweiß tauchen
  • mit Puderzucker bestreuen
  • 1-2 Tage trocknen lassen
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